Interview mit QS24: Hashimoto, Jod und L-Thyroxin im Fokus

Die Hormonexpertin Dr. Isabella Wilden war im Schweizer Gesundheitsfernsehen QS24 zu Gast. Gemeinsam mit Moderatorin Corina Klein sprach sie über Hashimoto, den Umgang mit Jod und die häufige Verschreibung von L-Thyroxin. Im Gespräch ging es unter anderem um Diagnosekriterien, Laborwerte und mögliche Auswirkungen synthetischer Jodzufuhr. Das vollständige Interview wurde bei QS24 ausgestrahlt und ist dort abrufbar.
Ein Gespräch mit Corina Klein und Dr. Isabella Wilden
Die Arbeit mit bioidentischen Hormonen
Seit vielen Jahren begleitet Dr. Isabella Wilden Patientinnen mit hormonellen Beschwerden. Ihr Ansatz basiert auf einer ganzheitlichen Betrachtung und einer individuellen Analyse der hormonellen Situation.
Moderatorin: Herzlich willkommen, liebe Zuschauer. Heute im Gesundheitsfernsehen spreche ich mit unserer Expertin für bioidentische Hormone, Dr. Isabella Wilden. Es geht um Hashimoto und den Zusammenhang mit Jod. Gibt es wirklich einen Jodmangel oder haben wir längst einen Überschuss. Außerdem schauen wir uns an, warum so häufig L-Thyroxin verschrieben wird. Das Thema ist komplex, aber wir bringen heute Licht ins Dunkel.
Moderatorin: Hallo liebe Isabella, schön, dass du wieder da bist.
Dr. Isabella Wilden: Vielen Dank für die Einladung. Es ist sehr schön, hier zu sein.
Moderatorin: Ich freue mich auch. Du begleitest seit über zehn Jahren Menschen im Bereich bioidentische Hormone, nimmst dir Zeit für eine gründliche Analyse und betrachtest den Menschen als Ganzes.
Mich erschreckt, wie vielen Frauen L-Thyroxin verschrieben wird. Manchmal fühlt sich das an wie Smarties, die über den Tisch geschoben werden. Die Frau bekommt eine Diagnose und direkt ein Medikament. Was passiert da eigentlich im Körper und im System?
Jodversorgung und der Mythos vom Jodmangel
Die Frage, ob in der heutigen Zeit tatsächlich ein Jodmangel besteht, steht im Zentrum vieler gesundheitlicher Diskussionen. Dr. Wilden stellt die gängige Annahme kritisch infrage.
Dr. Isabella Wilden: Ich werde heute über Jod anders sprechen, als es die konventionelle Medizin oft tut. In Deutschland gibt es einen Arbeitskreis für Jodmangel. Dort wird sehr stark vermittelt, dass wir immer wieder unter Jodmangel leiden. Diese Sichtweise hält sich hartnäckig, obwohl wir seit Jahrzehnten Jod über Speisesalz aufnehmen.
Das Thema Jod ist aus meiner Sicht nicht wirklich fundiert aufgearbeitet. Das Jod im Salz liegt in einer chemischen Form vor. Dazu kommen Stoffe wie Ferrozyanat, Zyanid und sogenanntes Fake-Jod. Das wird als hochwertiges Salz verkauft, was ich persönlich kaum nachvollziehen kann.
Moderatorin: Dieses Jod im Salz wirkt wie eine chemische Kopie. Trotzdem wird es als sinnvoll und notwendig dargestellt. Worauf basiert eigentlich die Annahme, dass wir zwingend jodiertes Salz brauchen?
Dr. Isabella Wilden: Diese Annahme basiert vor allem auf einer Konvention. Jod lässt sich im Blut nur sehr unzuverlässig messen. Es gibt zwar Analysen, aber sie sind nicht besonders präzise.
Später wurde dann eine Methode etabliert, bei der die Jodausscheidung über den Urin gemessen wird. Dieser Test ist allerdings sehr fehleranfällig. Patientinnen müssen im Vorfeld genau aufgeklärt werden. Kein Jodsalz, kein Fisch über mehrere Tage, kein Omega-3 und keine Nahrungsergänzungsmittel mit Jod. Andernfalls ist der Test nicht aussagekräftig.
Der Grenzwert liegt bei 100 Mikrogramm pro Liter. Alles darunter gilt als Jodmangel, alles darüber als unauffällig. Es wird aber nicht unterschieden, ob der Wert bei 200 oder bei 5.000 liegt. Dadurch lässt sich ein Überschuss praktisch nicht erkennen.
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Synthetisches Jod und steigende Antikörper
Neue Studien und praktische Beobachtungen deuten darauf hin, dass eine hohe Zufuhr synthetischen Jods problematische Effekte haben kann.
Dr. Isabella Wilden: Inzwischen gibt es zahlreiche Studien, die zeigen, dass wir zumindest in der westlichen Welt keinen generellen Jodmangel mehr haben. Wenn wir dem Körper zusätzlich Jod in chemischer Form zuführen, über Nahrungsergänzungsmittel oder jodiertes Salz, handelt es sich nicht um natürliches Jod. Die Messmethoden erfassen nur kleine Mengen, nicht aber eine mögliche Überversorgung.
Diese chemische Form kann dazu führen, dass die Schilddrüse ihre Jodrezeptoren schließt. Studien zeigen außerdem, dass dadurch Hashimoto-Antikörper, insbesondere TPO-Antikörper, ansteigen können. Es gibt sogar gesunde Menschen, bei denen diese Antikörper nachweisbar sind.
Bis vor kurzer Zeit lag der Grenzwert für TPO-Antikörper bei 34. Wer darunter lag, galt als gesund. Wer darüber lag, bekam die Diagnose Hashimoto. Das führte oft zu großer Verunsicherung. Viele Betroffene gehen dann zum Nuklearmediziner und bekommen sofort L-Thyroxin verschrieben. Es wird häufig nicht geprüft, ob es sich um eine vorübergehende Reaktion oder eine andere Belastung handelt. Die Folge ist, dass sehr viele Frauen dauerhaft Schilddrüsentabletten einnehmen.
Auswirkungen von L-Thyroxin auf den Körper
L-Thyroxin enthält nur eines der Schilddrüsenhormone. Die Auswirkungen auf den Stoffwechsel und den Energiehaushalt können erheblich sein.
Moderatorin: Ich habe ebenfalls beobachtet, dass sich die Schilddrüsenfunktion unter L-Thyroxin teilweise verschlechtert. Oft tritt gleichzeitig Endometriose auf. Die Frau wird nicht ganzheitlich betrachtet.
Wenn Frauen versuchen, ihren Jodstatus selbst zu prüfen, etwa mit einer Jodlösung auf der Haut, zeigt sich häufig ein Mangel. Dabei handelt es sich aber um ein anderes Jod. Das chemische Jod blockiert die Schilddrüse, während eine andere Jodform vom Körper erkannt wird, aber nicht mehr richtig ankommt.
Dr. Isabella Wilden: Hinzu kommt, dass heute häufig L-Thyroxin in Kombination mit Jod verschrieben wird. Gleichzeitig erhalten viele Frauen die Empfehlung, zusätzlich Jod einzunehmen. Dabei ist Jod bereits überall enthalten. Beim Bäcker, im Supermarkt, in vielen verarbeiteten Lebensmitteln. Es handelt sich fast immer um synthetisches Jod.
Wenn TPO-Antikörper erhöht sind, sollte man nicht automatisch zu einer Schilddrüsentablette greifen. Zu mir kommen vor allem Frauen, die bereits lange Hashimoto haben. Meine Aufgabe ist es dann, begleitend zu unterstützen, zum Beispiel über bioidentische Hormone.
Moderatorin: Mich hat ein Fall besonders erschüttert. Eine junge Frau, 26 Jahre alt, Hashimoto, Endometriose, Operation geplant, vollständig auf L-Thyroxin eingestellt. Mir kam das sehr seltsam vor. Später stellte sich heraus, dass sie mehrere Amalgamfüllungen hatte. Wäre sie im System geblieben, hätte das massive Folgen gehabt. Es ist erschreckend, wie wenig die einzelnen medizinischen Bereiche miteinander verbunden sind.
Dr. Isabella Wilden: Wenn zu früh eine Schilddrüsentablette eingenommen wird, ist der Weg oft nicht mehr vollständig reversibel. Viele meiner Klientinnen kommen erst zu mir, nachdem sie bereits lange behandelt wurden. Deshalb ist die wichtigste Botschaft, nicht sofort alles zu schlucken, sondern erst andere Faktoren zu betrachten.
L-Thyroxin enthält nur eines von fünf Schilddrüsenhormonen. Es handelt sich um T4, ein inaktives Hormon. Unsere Zellen können T4 nicht direkt nutzen, sondern benötigen T3. Die Umwandlung von T4 in T3 ist für den Körper sehr energieaufwendig.
Typische Folgen sind Müdigkeit, Gewichtszunahme, Haarausfall und trockene Haut. Auch die Eierstöcke und das gesamte Hormonsystem werden dadurch beeinflusst.
Mögliche therapeutische Ansätze und Begleitung
Je nach Ausgangssituation gibt es unterschiedliche Wege im Umgang mit Hashimoto und Schilddrüsentherapien.
Moderatorin: Wie gehst du vor, wenn jemand zu dir kommt und sagt, bei mir wurde Hashimoto diagnostiziert?
Dr. Isabella Wilden: Wenn jemand seit vielen Jahren Schilddrüsentabletten nimmt, kann man sie nicht einfach absetzen. Ich versuche dann, auf Kombinationspräparate mit T3 und T4 umzustellen oder zeitweise nur T3 zu geben, um die Reaktion des Körpers zu beobachten.
Bei schwangeren Frauen empfehle ich als Erstes, synthetisches Jod wegzulassen. Kein jodiertes Salz und keine jodhaltigen Nahrungsergänzungsmittel. Andernfalls ist die Jodbelastung für das Kind sehr hoch. Ich betrachte die gesamte Hormonsituation und versuche, die Dosis insgesamt zu reduzieren.
Zu meinen bevorzugten Begleitpräparaten gehören kalt gepresstes Schwarzkümmelöl, Selen und Vitamin D. Vitamin D sollte möglichst über 60 liegen. Es handelt sich dabei um ein Hormon, nicht um ein klassisches Vitamin.
- Wichtig ist außerdem, vor Blutuntersuchungen eine Pause mit Vitaminen und Hormonen einzulegen. Besonders B-Vitamine verfälschen Laborwerte stark. Mindestens fünf Tage vorher absetzen, sonst können Mängel nicht korrekt erkannt werden.
Das Thema ist kontrovers. Ich gebe diese Informationen nicht, um zu verunsichern, sondern um zu zeigen, dass es auch andere Perspektiven gibt. Vielleicht ist es nicht Hashimoto. Synthetisches Jod ist heute allgegenwärtig. Darauf sollte man achten.
Moderatorin: Vielen Dank, Isabella, dass du da warst. Wir haben heute viel Licht ins Dunkel gebracht rund um Hashimoto und Jod. Ich hoffe, Sie konnten etwas für sich mitnehmen. Danke fürs Zuschauen und bis bald.
Quellenangabe
- Youtube QS24 [1]
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