Bioidentische Hormone bei Haarausfall

Blonde Haare Frau, rosa Hintergrund

Dein Haarfollikel ist wie eine kleine Hormonfabrik, die auf Veränderungen in deinem Körper reagiert. Egal, ob sich dein Hormonspiegel natürlich verändert oder du bioidentische Hormone bei Haarausfall nimmst, deine Haare reagieren darauf. Und nicht nur Hormone spielen eine Rolle; auch Mineralien und Vitamine (Co-Faktoren) sind wichtig.

Interessant ist, dass die gleichen Hormonrezeptoren, die bei Akne eine Rolle spielen, auch die Haarentwicklung beeinflussen. Wenn du in der Jugend Akne hattest, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass du später im Leben mit Haarausfall zu tun hast, wenn du dein hormonelles Gleichgewicht nicht in den Griff bekommst. Meistens ist dann zu viel Testosteron[3] (normalerweise ein Überschuss an Androgenen oder ihre Metaboliten) oder das Abbauprodukt DHT (Dihydrotestosteron) im Spiel.

Ursachen hormonell bedingten Haarausfalls

Hormone sind die heimlichen Regisseure deines Körpers und haben auch einen großen Einfluss auf deine Haare. Je nach Ursache des Haarausfalls kann sich die Behandlungsmethode bei Haarausfall unterscheiden.

Frau bemerkt Haarverlust

Schilddrüsenunterfunktion

Eine andere, vorrangig bei jungen Frauen häufige hormonelle Ursache für Haarausfall, ist eine Schilddrüsenunterfunktion[1]. Diese kann direkt durch ein Hormonungleichgewicht, wie einen Überschuss an Östrogen oder einen Mangel an Progesteron, ausgelöst werden. Indirekt kann auch Eisenmangel eine Rolle spielen, oft bedingt durch zu starke Menstruationsblutungen, die wiederum mit dem Hormonhaushalt zusammenhängen. Das bezeichnet man auch als Blutarmut wegen zu starkem Menstruationsblutverlust. Beide Faktoren können der Schilddrüse schaden und so zum Haarausfall führen.

In solchen Fällen kann eine Hormontherapie mit bioidentischen Hormonen eine effektive Lösung sein, um das hormonelle Gleichgewicht wiederherzustellen und so dem Haarausfall entgegenzuwirken.

Wechseljahre bei Frauen

Während der Wechseljahre erleben viele Frauen hormonelle Veränderungen, die auch den Haarwuchs beeinflussen können. Ein Rückgang von Östrogen und Schilddrüsenhormon ist oft die Ursache für dünner werdendes, trockenes und graues Haar[2]. Aus klinischer Betrachtung wird die Kopfhaut deutlich sichtbar, vor allem am oberen Kopfteil, wo das Haar ausdünnt.

Ältere Dame mit Haarausfall

Interessant: In der Postmenopause können Frauen auch vermehrt Gesichtsbehaarung entwickeln, ein Indiz für einen relativen Testosteronüberschuss bei gleichzeitigem Mangel an Östrogen und Progesteron.

Andropause bei Männern

Männer sind während der Andropause ebenfalls von hormonell bedingtem Haarausfall betroffen. Sowohl Kopf- als auch Körperhaare können dünner werden und ergrauen. Die Wiederherstellung von Testosteron durch bioidentische Hormone verlangsamt unter anderem diesen Prozess.

Therapeutischer Ansatz mit bioidentischer Hormontherapie

Bioidentische Hormone bei Haarausfall können in beiden Lebensphasen eine sinnvolle Therapie sein. Der Ansatz basiert auf umfassenden Laboranalysen der relevanten Hormone und anderer Indikatoren wie TSH, fT3, fT4, und Ferritin. Je nach Befund können Hormonmängel mit bioidentischen Hormonen ausgeglichen oder Überschüsse durch Ernährungsumstellung und natürliche Methoden reguliert werden.

Wie Östrogen und Progesteron den Haarzyklus beeinflussen

Das Haarwachstum verläuft in Zyklen, wobei die Länge der Anagenphase, also der aktiven Wachstumsphase, entscheidend für Haardichte und -stärke ist. Östrogene verlängern diese Phase und stabilisieren die Aktivität der Haarfollikel. Sinkt der Östrogenspiegel, wie es in den Wechseljahren typisch ist, verkürzt sich die Wachstumsphase. Mehr Haare wechseln früher in die Ruhephase, was sich als diffuse Ausdünnung bemerkbar machen kann.

Progesteron wirkt als natürlicher Gegenspieler zu Androgenen. Es kann die Aktivität der 5-Alpha-Reduktase hemmen, jenes Enzyms, das Testosteron in das stärker wirksame Dihydrotestosteron umwandelt. DHT verkürzt bei empfindlichen Follikeln die Wachstumsphase und begünstigt Haarverlust. Ein hormonelles Ungleichgewicht zwischen Östrogen, Progesteron und Androgenen kann daher die Haarstruktur nachhaltig beeinflussen.

Welche Laborwerte sollten vor Therapiebeginn geprüft werden?

Vor dem Einsatz bioidentischer Hormone sollte eine strukturierte Labordiagnostik erfolgen, um hormonelle und nicht hormonelle Ursachen des Haarausfalls zu unterscheiden. Neben der klinischen Anamnese sind folgende Parameter sinnvoll:

  • Ferritin
  • Vitamin D
  • Vitamin-B-Komplex
  • Zink
  • TSH
  • fT3
  • fT4
  • Estradiol
  • Progesteron
  • Testosteron

Diese Basiswerte helfen, Schilddrüsenstörungen, Mikronährstoffmängel oder hormonelle Dysbalancen zu erkennen und eine gezielte Therapieplanung vorzunehmen.

Wichtige Nährstoffe für das Haarwachstum

Neben der hormonellen Regulation spielen bestimmte Mikronährstoffe eine zentrale Rolle für die Funktion der Haarfollikel. Ein Eisenmangel, insbesondere bei niedrigen Ferritinwerten, ist eine häufige Ursache für diffusen Haarausfall, da Eisen für die Zellteilung in der Haarwurzel benötigt wird. Auch Zink ist essenziell für die Keratinbildung und die Regeneration des Follikels.

Biotin unterstützt als Bestandteil des Vitamin-B-Komplexes die Keratinstruktur des Haares, während Selen an antioxidativen Prozessen beteiligt ist und die Schilddrüsenfunktion beeinflusst. Eine Hormontherapie kann nur dann ihr volles Potenzial entfalten, wenn gleichzeitig relevante Nährstoffdefizite erkannt und ausgeglichen werden.

  • Beispiel: Eine 52-jährige Patientin stellte sich mit seit zwei Jahren zunehmender diffuser Haarverdünnung im Scheitelbereich vor. Die Labordiagnostik zeigte ein relatives Progesterondefizit bei beginnender Menopause sowie erniedrigte Ferritinwerte. Nach individueller hormoneller Einstellung mit bioidentischem Progesteron und begleitender Eisensubstitution stabilisierte sich der Haarausfall innerhalb von sechs Monaten deutlich. Dieses Beispiel zeigt, wie entscheidend eine kombinierte hormonelle und internistische Abklärung sein kann.
Hormone in Tablettenform auf einem Teller

Wie Frau Dr. Wilden die bioidentische Hormontherapie anwendet, finden Sie in unserer Übersicht: »Hormontherapie mit bioidentischen Hormonen«.

Isabella Wilden Portrait von 2023
Über die Autorin

Isabella Wilden

Dr. Isabella Wilden ist eine engagierte Medizinerin, die nach persönlichen Gesundheitsherausforderungen zur Expertin für bioidentische Hormone wurde. Mit dem Ziel, andere zu inspirieren, teilt sie ihre Reise von chronischen Krankheiten zur Wiederherstellung ihrer Gesundheit und bietet heute ihre Fachkenntnisse an, um anderen Frauen zu helfen, die mit ähnlichen Problemen konfrontiert sind.

Häufig gestellte Fragen & Antworten

Welche Rolle spielt Testosteron bei männlichem Haarausfall?

Testosteron und sein Derivat DHT (Dihydrotestosteron) sind oft die Hauptverursacher für männlichen Haarausfall. DHT kann die Haarfollikel schrumpfen lassen, was den Haarwuchszyklus verkürzt und zu Ausdünnung und letztlich zum Haarausfall führt.

Wie unterscheide ich, ob mein Haarausfall hormonell bedingt ist oder durch einen Eisenmangel verursacht wird?

Hormoneller Haarausfall zeigt typischerweise ein Muster. Bei Männern äußert sich dies durch das Ausdünnen des Haares am Scheitel, welches bis zur Glatzenbildung fortschreiten kann. Haarausfall durch Schilddrüsenprobleme oder Eisenmangel zeigt sich meistens diffus und betrifft alle Bereiche des Kopfes.

Welche Therapieansätze gibt es bei hormonellem Haarausfall in den Wechseljahren?

In den Wechseljahren kann der Haarausfall oft durch eine Abnahme von Östrogen und Schilddrüsenhormonen verursacht werden. Eine mögliche Therapie ist die Verwendung von bioidentischen Hormonen, basierend auf Laboranalysen.

Wie erfolgt die Diagnose von hormonellem Haarausfall?

Die Diagnose basiert auf einer Kombination aus Symptomen und Laboranalysen. Zu den zu testenden Hormonen gehören in der Regel Östrogen, Progesteron, Testosteron, freies Testosteron, TSH, fT3, fT4 und weitere, abhängig von den Symptomen.

Quellenangabe

  1. Haarveränderungen und Haarverlust [1]
  2. Hormonelle Effekte auf Haarfolikel [2]
  3. Testestoron lässt Haarfolikel schrumpfen [3]
  4. Dr. Davaroukas A., Nürnberg (Video: Lab4more) [4]